Tauchboot auf dem Gelände der Firma Bruker

Ein Blick in die Geschichte: U-Boote „Made in Karlsruhe“

Karlsruhe hat mit seinen neun Hochschulen, dem Naturkundemuseum und der Badischen Landesbibliothek zahlreiche Kultur- und Bildungs-Highlights zu bieten, doch kaum einer weiß heute, dass Karlsruhe in den 80er Jahren sogar U-Boote baute. Dabei sind gerade die bemannten und unbemannten Tauchboote das Werkzeug der Wissenschaftler, um den Geheimnissen der noch unerforschten Tiefen des Ozeans auf den Grund zu gehen.

Hinweistafel zum Tauchboot auf dem Gelände der Firma BrukerDie im Jahre 1977 von einem Karlsruher Professor gegründete Bruker Meerestechnik GmbH konzentrierte sich auf die Erschließung von Ölquellen unter Wasser. Aus der anfänglichen Bruker Physik-AG entstand eine kleine U-Boot-Fabrik, die in Karlsruhe bald für Furore sorgte. Verantwortlich für den Eklat war das Exportgeschäft der Bruker Meerestechnik GmbH, das nach Nordkorea ein ziviles Tauchboot lieferte. Nach Angaben des amerikanischen Geheimdienstes CIA soll jenes U-Boot aus dem Hause Bruker am Persischen Golf gesichtet worden sein. Auf den Beweisfotos, die der Bonner Kommission zur Anklage vorgelegt wurden, bemerkte ein Teilnehmer: „Man konnte so etwas wie Fliegendreck erkennen“ (Spiegel 1987/50).

Die Nordkoreaner betrieben mit der „Seahorse I“ nach eigenen Angaben Forschungen am Meeresgrund vor der Küste, suchten nach Bodenschätzen und inspizierten Unterwasserkabel. Den Export eines zweiten Tauchboots, das bereits bestellt war, konnte der amerikanische Geheimdienst dennoch verhindern, indem er Druck auf die deutsche Regierung ausübte. Diese verhinderte den Deal, indem sie der Firma Bruker Meerestechnik GmbH mehrere Millionen Euro als Entschädigung zahlte. 1990 stellte das Unternehmen Bruker die U-Boot-Produktion ein und beschäftigt sich seither mit instrumenteller Analytik und Messtechnik.

Tauchboot auf dem Gelände der Firma BrukerVor wenigen Wochen zog die ehemalige U-Boot-Firma nach Ettlingen um, mit einem ihrer ersten U-Boote im Schlepptau: Ein 33 Tonnen schwerer Stahlgigant. Zwar stand das U-Boot vor dem Umzug zum Verkauf, aber da es keinen Käufer für diese Rarität gab, fand auch das orange-graue Unterwasserfahrzeug ein neues Zuhause. Für das Projekt Schaufenster Ozean ist dieses Objekt leider viel zu teuer, aber es wäre ein faszinierendes »Schaufenster«, das einen Zugang zur Erforschung der Meerestiefen bietet.

 

 

Quellen:

http://bnn.de/nachrichten/ein-u-boot-faehrt-durch-karlsruhe

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13524928.html

 

 

 

 

About the author: Lisa Leander