Projektdoku 2: Technik und Projektion

Im zweiten Teil unserer Projektdokumentation widmen wir uns der Frage, wie das Meer auf die Schaufensterscheibe kommt. Denn ganz so einfach, wie ein Bild an eine weiße Wand zu projizieren, ist es nicht.

Vorbereitung der Scheibe

Das ist der Teil, bei dem wir am meisten experimentiert haben. Damit das Bild auf der Scheibe zu sehen ist, muss sie milchig werden. Trotzdem muss sie noch durchsichtig genug sein, damit man auf der Außenseite sieht, was von hinten darauf projiziert wird. Da wir unser Schaufenster abends mehrere Stunden lang an belebten Straßen laufen lassen, ist es nötig, dass die Beamer innen in einem geschützten Raum stehen. Damit schied die Möglichkeit aus, von vorne (und damit von außen) die Scheibe zu beleuchten.

Um den milchigen Effekt zu erzielen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir haben es mit Stärkelösung und Buttermilch versucht, die mit einer Rolle auf die Scheibe aufgetragen werden. Nach dem Trocknen decken beide Flüssigkeiten gut, jedoch nicht gleichmäßig, das Bild wäre dadurch krisselig geworden. Deswegen benutzen wir lieber Transparentpapier mit einer Stärke von 90 Gramm. Es ist in Läden für Künstler- und Bastelbedarf auf großen Rollen (Länge bis zu 20 Meter) zu haben, was es einfacher macht, großflächig Fenster damit zu bespannen. Das Anbringen ist trotzdem knifflig, die Folie sollte möglichst straff und mit wenig Überlappung aufgehängt werden, so hat man am Ende eine gleichmäßige Leinwand. Sorgfältig festgemacht sollte sie natürlich auch sein. Nachdem wir mehrfach abgefallenes, gewelltes oder eingerissenes Papier ab- und neues drangemacht hatten, haben wir mittlerweile den Bogen raus. Man muss immer genug Klebeband dabeihaben!

Buttermilch (links) und Transparentpapier (ganz rechts) im Vergleich

Außerdem ist es wichtig, die restlichen Fensterflächen abzudunkeln, die nicht beleuchtet werden, denn sonst dringt Licht vom Beamer überall durch. Dafür haben wir dunkelblaues Papier benutzt (blau wie das Meer natürlich), einfarbiges Geschenkpapier reicht auch aus.

Beamer und Licht

Bei den Beamern hatten wir von Anfang an zwei Varianten: Einen Kurzdistanzbeamer mit einer Stärke von 4000 ANSI-Lumen und einen Beamer für längere Distanzen mit 5000 ANSI-Lumen. Beide waren schon im Einsatz, je nach Tiefe des Raumes hinter der Scheibe haben wir entweder den einen oder den anderen benutzt. Oder wir haben sie auf zwei Fenster aufgeteilt, so wie in Erlangen und in Halle. Außerdem empfehlen wir, sich Digital Signage Mediaplayer anzuschaffen, die die Videos in Dauerschleife abspielen und im Optimalfall die Beamer nach Zeitplan ein und ausschalten können. Beim Kauf muss man allerdings darauf achten, dass Mediaplayer und Beamer „eine gemeinsame Sprache sprechen“, das heißt, dass die vom Mediaplayer bereitgestellten Ansteuerungsfunktionen vom Beamer verstanden werden.

Wir waren mit der Leistung beider Beamer zufrieden, die Bilder waren deutlich und scharf genug. Ein Problem ist und bleibt das Tageslicht. Selbst mit dem stärkeren Beamer war das Bild auf der Scheibe kaum erkennbar, wenn es draußen taghell war. Auch doppelte Bahnen Transparentpapier und andere Versuche, die wir unternommen haben, zeigten keine besseren Ergebnisse. Deswegen haben wir die Projektionen und unsere Vorträge erst in der Abenddämmerung beginnen lassen, wodurch sich der Start in den Sommermonaten immer weiter nach hinten verschob. Das ist ein wenig schade, weil wir uns immer sehr über Kinder gefreut haben, die mit staunenden Augen vor den Fenstern standen. Zumindest konnten wir Abhilfe schaffen, indem wir bei der Wahl der Location darauf achteten, dass es wenig Spiegelungen durch Straßenlaternen und Leuchtreklame gibt und dass das Licht bei Sonnenuntergang nicht genau auf die Scheibe trifft. Auch eine überdachte Location schirmt Licht ab – und hat den zusätzlichen Vorteil, dass Vortragende und Publikum bei Regenwetter nicht nass werden.

In Karlsruhe haben wir eine Variante ausprobiert, die unabhängig von den Lichtverhältnissen draußen funktioniert: das Schaufenster mit Gucklock, eine Fisch-Peepshow sozusagen. Dazu wird das Schaufenster komplett dunkel abgedeckt und innen wird entweder auf eine Wand oder in einen „Transparentpapier-Kasten“ projiziert. Das funktioniert allerdings nur, wenn der Raum hinter der Scheibe tief genug ist, sonst ist die Distanz für den Beamer zu kurz. Die Passant*innen erhalten von außen durch ein kleines Guckloch Einblick. Das virtuelle Aquarium ist dadurch nicht mehr von Weitem sichtbar, aber die Variante ist definitiv etwas für Bastler, Bullaugen-Freunde sowie Fans von Kreidestiften, mit denen man wunderbar Glas bemalen kann.

About the author: Lisa Leander